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Zweifelsfälle der Rechtschreibung: die Anglizismen

Wie läuft das mit der Gross- und Kleinschreibung und der Grammatik, wenn Sie einen Anglizismus benutzen?

Gute Frage. Die Antwort ist vergleichsweise einfach. Aber viele kennen sie nicht.

Höchste Zeit für ein Grammatik-Update.

Nehmen wir an, das Schicksal mutet Ihnen einen Job als Unternehmensberater zu. Dann hocken Sie häufig in Besprechungen [Meetings], in denen schaurig-schönes Denglisch gedroschen wird.

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Eine lange Liste hilfreicher Quellen zur korrekten Schreibung findet sich ausserdem am Ende unseres Artikels «Korrekturlesen: So finden Sie (fast) alle Fehler»

So tönt Kompetenz

«Wir müssen unseren CUSTOMER LIFETIME VALUE gegen unsere PEERS BENCHMARKEN.»

Sie können sich denken, was ich von solchen Sätzen halte. Aber darauf kommt es heute nicht an. Manchmal muss man mit den Wölfen heulen; selbst wenn man es besser wüsste.

Sie sind jung und brauchen das Geld. Wie sollen Sie also schreiben?

Schreiben wie die Engländer

Im Englischen dominiert die Kleinschreibung. Ausser Namen und Satzanfängen wird fast alles klein geschrieben. Wäre Ihr Satz ein englischer, dann wäre die Sache klar:

«We need to benchmark our customer lifetime value against our peers.»

Aber da Sie die englischen Wörter in Ihr deutsches Berater-Kauderwelsch einbauen möchten, müssen Sie den deutschen Rechtschreibregeln folgen.

Anglizismen im Deutschen – gross oder klein?

Das bedeutet: Wenn das Fremdwort ein Nomen ist, wird es grossgeschrieben.

«Wir müssen unseren Customer Lifetime Value gegen unsere Peers benchmarken.»

Die Engländer machen es mit ihren deutschen Fremdwörtern übrigens genauso. Sie schreiben sie klein, wenn es im Englischen so üblich ist:

«Here are some German words that are commonly used in British and American English: kindergarten, leitmotiv, bratwurst, gemütlichkeit, wunderkind, zeitgeist.»

Bei mehrteiligen Wendungen wird das erste Wort auch dann grossgeschrieben, wenn es kein Substantiv ist.

Also: Sie ist Social-Media-Expertin und er ist Fachmann für soziale Medien.

Anglizismen im Deutschen – Männlein oder Weiblein

The computer, the pair of jeans, the penalty – im Englischen sind die meisten Wörter grammatische Neutren. Würden wir das grammatische Geschlecht aus der Ursprungssprache übernehmen, trügen sie den Artikel «das».

Wir sagen aber nicht «das Computer» oder «das Jeans» oder «das Penalty».

Wir machen es wie bei der Gross- und Kleinschreibung. Wir verwenden das grammatische Geschlecht eines geläufigen, bedeutungsgleichen deutschen Wortes. Das machen wir «nach Gefühl» meist richtig.

Lehnwort

Entsprechendes deutsches Wort

die Story

die Geschichte

der Computer

der Rechner
(ausserdem sind im deutschen fast alle Wörter auf -er maskulin: Wärter, Töpfer, Keller, Winter…)

der Boss

der Vorgesetzte

die City

die Innenstadt


Aber es gibt auch Ausnahmen von dieser Regel. So heisst es zum Beispiel «das Team» aber «die Mannschaft».

Fachleute glauben, es gebe in jedem Einzelfall eine plausible Begründung. In diesem Fall ist es der Zeitpunkt der Übernahme. Als wir uns das Wort im 19. Jahrhundert aneigneten, hatte «Mannschaft» eher eine militäreische Bedeutung (ein grösserer Verband von Soldaten). Daher passte das Wort «Gespann» besser zum englischen Begriff «Team».

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Anglizismen im Deutschen – die Deklination

Deklination nennt man den Austausch der Wortendung beim Wechsel von der Einzahl in die Mehrzahl und bei den verschiedenen Fällen:

Fall

Einzahl (Singular)

Mehrzahl (Plural)

Nominativ (wer/was?)

die Geschichte / die Story

die Geschichten / die Storys

Genitiv (wessen?)

der Geschichte / der Story

der Geschichten / der Storys

Dativ (wem?)

der Geschichte / der Story

den Geschichten / der Storys

Akkusativ (wen/was?)

die Geschichte / die Story

die Geschichten / die Storys


Mehrzahl:

Die Mehrzahl wird meistens durch Anhängen von «s» gebildet (der Pool/die Pools), manchmal aber auch durch Anhängen von «e» (der Boss/die Bosse).

Bei Wörtern auf «-er» sind Einzahl und Mehrzahl identisch: «der Computer/die Computer – der Toaster/die Toaster».

Im Englischen wird die ein End-y in «ie» umgemodelt, wenn das Wort in die Mehrzahl gesetzt wird.

«Lady Windsor took her tea with milk. The other ladies approved.»

Wenn Sie es im Deutschen genauso machen, machen Sie einen Fehler. Seit 2006 heisst es

«Die Ladys ritten auf ihren Ponys zu lustigen Partys.»

Genitiv:

Der Genitiv wird meist durch Anhängen von «s» gebildet: «der Newsletter/des Newsletters».

Bei weiblichen Wörtern entfällt das «s» in der Einzahl: «die Show/der Show».

Das ist keine Besonderheit der Fremdwörter, sondern im Deutschen so üblich: «die Lücke/der Lücke» aber «der Hammer/des Hammers» und «das Brett/des Bretts».

lucys blumenhofIm Englischen ist es korrekt, das Genitiv-s mit einem Apostroph abzusetzen «She held her sister’s hand.» Im Deutschen kennen wir keinen Apostrophen beim Genitiv-s; deshalb werden auch englische Fremdwörter, sofern sie in deutschen Texten vorkommen, ohne Apostroph geschrieben. Das machen Lucy und Cindy oft falsch. Aber Sie nicht.

Nominativ,
Dativ,
Akkusativ:

Bei den Anglizismen werden Dativ und Akkusativ genauso wie der Nominativ gebildet. Die Bildung der Fälle ist also recht einfach. Nur beim Genitiv müssen Sie aufpassen.

Anglizismen im Deutschen – die Konjugation

Konjugation heisst der Formenwechsel bei den Verben. Der ist angenehm: Alle aus dem Englischen entlehnten Verben werden regelmäßig konjugiert.

Person

skaten

joggen

chillen

ich

skate

jogge

chille

du

skatest

joggst

chillst

er, sie, es

skatet

joggt

chillt

wir

skaten

joggen

chillen

ihr

skatet

joggt

chillt

sie

skaten

joggen

chillen


Auch Vergangenheit und Zukunft werden regelmässig gebildet. (er wird joggen, er joggte, er ist gejoggt)

Das Partizip II (gefegt, gelesen, geparkt …) wird normalerweise analog zur deutschen Form gebildet: «geskatet, gejoggt, gechillt».

Gelegentlich wird es aus dem Englischen übernommen und danach orthografisch «eingemeindet»: Aus «relaxen» wird «relaxt», weil «relaxt die orthografisch eingedeutschte Version von «relaxed» ist.

So wird die Schreibweise an andere Wörter mit der Vorsilbe «re» angeglichen: «reinvestieren/reinvestiert» oder «reanimieren/reanimiert».

Häufige Gewissensnöte verursacht das Verb «downloaden». Das deutsche Gegenstück «herunterladen» wird in vielen Konstellationen aufgetrennt: «Ich lade die Datei morgen herunter.» Das ist das übliche Vorgehen bei deutschen «Partikelverben», Verben also, denen eine Partikel (auf, vor, ab, …) vorangestellt ist. (aufholen – er holte rasch auf; vorlesen – ich las leise vor; abtauchen – sie tauchte unversehens ab).

Diese Aufspaltung ist bei downloaden nicht üblich. Also eher «Ich downloade die Datei morgen» als «Ich loade die Datei morgen down».

Wie bei den Partikelverben üblich, wird die Partikel aber manchmal durch die Zwischensilben «zu» und «ge» vom Verb getrennt:

Sie hatte sich alles aufgeschrieben. Sie vergass nie, sich etwas aufzuschreiben. Sie hatte alles downgeloadet (statt gedownloadet). Sie beeilte sich, die Dateien downzuloaden (statt zu downloaden).

Verwaschener Sprachgebrauch

Englische Redewendungen sind uns inzwischen so vertraut, dass sie auch aufs Deutsche abfärben. «Das macht Sinn», mögen Sie denken und denken sich nichts Böses dabei. Aber dieses «macht Sinn» ist schlechtes Deutsch. Es ist dem englischen «makes sense» abgeschaut. Auf Deutsch heisst es eher «das ist sinnvoll / das hat Sinn / das ergibt Sinn».

Das hatten Sie gar nicht realisiert. Oder hatten Sie es nicht bemerkt?

Jetzt sind Sie jedenfalls klüger und zucken vielleicht kurz, bevor Sie das nächste Mal «anliegend finden Sie unser Angebot» (attached please find our offer) schreiben.

Alles gecheckt?

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Ausserdem: Wenn Sie sich für guten Schreibstil interessieren, finden Sie hier die die Artikelsammlung «guter Schreibstil». Und hier ist unsere Übersicht mit allen Artikeln über Online-Marketing.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer